Auf Schatzsuche in der Welt der Un-Kräuter

W enn es jetzt in der Natur wächst und sprießt, beginnt auch für die staatlich zertifizierte Kräuterpädagogin Jutta Becker-Ufermann die Saison. Sie geht mit Naturfreunden auf die Suche nach Un-Kräutern wie Giersch, Hirtentäschelkraut, Knoblauchsrauke und Brennnessel. Diese Schätze werden dann in der Küche zu wahren Köstlichkeiten verarbeitet. Heilkräuter nutzt sie, um Alltagswehwehchen zu vertreiben.

Uraltes Wissen transportieren

Jutta Becker-Ufermann: Wild- und Heilkräuter sind für mich Kulturbegleiter, die uns im hektischen 21. Jahrhundert jede Menge bieten. Traditionelles Wissen rund um die heimischen Wildkräuter sollte nicht verloren gehen. Unsere Großeltern halfen sich mit Kräutern und Hausmitteln bei kleinen Wehwehchen. Wildkräuter sind robust und voller wichtiger Nährstoffe. Gerade jetzt zum Frühjahr ist die kulinarische Vielfalt der wilden Grünlinge spannend. Wenn ich mit Seminarteilnehmern verschiedene Delikatessen vom Wegesrand zubereite, passiert es immer wieder: Die Teilnehmer erleben beim Genuss überraschende Gaumenfreuden. Für Aha-Erlebnisse sorgen beispielsweise Löwenzahnblätter in einem Salat oder aber Giersch, der sich zu einem delikaten Pesto verarbeiten lässt. Giersch ist als lästiges Unkraut bei Gartenfreunden eher unbeliebt. Hier lautet die Devise: Nicht bekämpfen, sondern aufessen!

Zurück zu den Wurzeln

Gärtnerei und Landwirtschaft sind meine „Wurzeln“. Als Kind war ich viel draußen, stromerte im Dämmerwald und „kochte“ Kräutergerichte für meine Kaninchen. Im Spätsommer war Brombeerzeit, Wiesenchampignons gab’s im Herbst. In den Kartoffelferien wurde abends nach der Ernte ein Feuer aus trockenen Kartoffelkraut gemacht, darin garten wir Erdäpfel. Ich ging in die Großstadt, wollte die Welt entdecken und wurde diplomierte Grafik-Designerin. Doch unsere Kinder sollten im Appelbongert aufwachsen. Ich hörte von der Weiterbildung zur Kräuterpädagogin und wusste was zu tun war. Die Natur war in meinem Leben immer wie ein grüner Faden.

Motivation

Ich zeige anderen die Schätze der Natur vor unserer Haustür, denn was unsere Großeltern noch wussten, geht langsam verloren. Wussten Sie, dass man Brennnesselblätter wie Spinat zubereiten kann? Obst und Gemüse gibt es immer, daran sind wir gewöhnt. An saisonale Ernten denken wir dagegen kaum. Ich möchte Wissen vermitteln und den richtigen Umgang mit den „Un-Kräutern“ am Wegesrand. Es ist schön, meine Kursteilnehmer damit zu begeistern. Viele kommen gestresst an, lassen sich auf das Abenteuer Natur ein, und der Stress fällt ab. Wenn sie in einer Wiese hocken und Wildkräuter suchen, weiß ich: Es hat geklappt, die Natur hat sie in ihrem Bann.

Zukunft

Menschen beginnen, sich wieder mehr auf die Natur zu besinnen. Sie nehmen an Kräutertouren teil, engagieren sich im Naturschutz und interessieren sich für Überliefertes. Die Natur und ihre Artenvielfalt sind unsere Lebensgrundlage. Es ist wichtig, Menschen dafür zu sensibilisieren. Ich freue mich, wenn mir das gelingt. Ob in Kursen für die kulinarische Verwendung von Un-Kräutern, die Herstellung von Kräuterbadesalzen oder das Färben mit Pflanzenfarben. Hauptsache selbsthergestellt. Die Faszination für die Natur ist tatsächlich grenzenlos. Wenn Kursteilnehmern aus den Niederlanden über Mund-zu-Mund-Werbung zum Appelbongert finden, fehlen mir vielleicht niederländische Begriffe, aber das sorgt nur für jede Menge Spaß. Natur verbindet eben.

Ausblick

Mir liegt viel daran, mit meiner Familie unsere Hofstelle, den Appelbongert, den meine Urgroßeltern 1904 gründeten, zu erhalten. Ich empfinde es als ihr Vermächtnis an meine Familie. Meine Kräutertouren leisten den Beitrag dazu. Landwirtschaft betreiben wir nur im kleinen Umfang, aber der Hof bietet den idealen Rahmen für meine berufliche Tätigkeit. Die Kursteilnehmer sind begeistert von der Ursprünglichkeit in dem Ortes. Die gemütlichen Kräuter-Kammern und die Pottkamer mit dem alten gemauerten Backofen und Tante Mariechens Kochherd „erzählen“ viele Geschichten. Es ist ein authentischer Ort. Das merken unsere Gäste schnell und fühlen sich wohl.

Autor: Teersa van Wezel

Teilen Sie diesen Post
468 ad

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>