Beten mit den Füßen

Pilgern liegt im Trend. Spätestens seit Harpe Kerkeling sein Pilgerbuch „Ich bin dann mal weg“ in den Buchhandel brachte, ist Pilgern Mainstream. Ein wahrer Ansturm auf Santiago de Comostela begann und ein Ende ist nicht abzusehen.

Bei soviel Aufmerksamkeit werden Pilgerorte und Jakobswege mit neuen Augen gesehen. Plötzlich werden traditionsreiche und teilweise Jahrhundert alte Jakobswege wiederentdeckt. Pilger machen sich auf den Weg und beleben die christliche Tradition des Pilgerns neu. Jakobswege tragen die Jakabsmuschel als Erkennungszeichen. Das große Netz an Pilgerwegen führt durch ganz Europa.

Pilgern auf dem Jakobsweg
Und bestimmt gibt es auch einen Weg oder eine Pilgerstätte in Ihrer Nähe! Als wichtigste Jakobswege der Niederlande sind die beiden Strecken von Millingen am Rhein bis nach Maastricht und von Nimwegen bis nach Köln zu nennen. Er führt vom niederländischen Millingen am Rhein zunächst durch die deutschen Städte, dann geht es durch die niederländische Provinz Limburg nach Maasgouw. Das sind einige Stationen: Millingen am Rhein über Goch, Kevelaer, Venlo, Roermond Maaseik und Maastricht nach Lüttich. Dort schließt er an die „Via Mosana“ an. Grundlage für die Wegeführung war die historische Handelsstraße am östlichen Ufer der Maas.In den Niederlanden wurde der Weg entlang der Maas 2004 sogar als gemeinsames niederländisch-deutsches Projekt eröffnet. Pilgern ist also keine typisch deutsche Art, christlichen Glauben zu leben.

Marienstadt Kevelaer
Als um die Weihnachtszeit 1641 der Handelsmann Hendrick Busman dreimal den geheimnisvollen Anruf: „An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen!“ hörte, baute er in Kevelaer ein Heiligenhäuschen. Von wundersamen Heilungen wurde immer wieder berichtet. Kevelaer wurde Pilger-Station und gilt als bedeutender Marienwallfahrtsort. Kevelaer rangiert nach Altötting an zweiter Stelle und ist mit seiner Gnadenkapelle bei Pilgern überaus beliebt. „Weihrauch-City“ nennen Jugendliche aus Kevelaer manchmal flapsig den niederrheinischen Marienwallfahrtsort und äußern damit eine gewisse Wertschätzung. Man sieht, Jung und Alt machen sich auf den Weg. Vom Beten mit den Füßen ist die Rede, wenn Menschen ihre Pilgerreise planen, ihren inneren Schweinehund überwinden und sich dann für eine längere Zeit aus dem Arbeits- und Familienleben zurückziehen. Unterwegs Gott ein Stück näher zu kommen, das ist ein viel gehörtes Argument von  Pilger. Eine Wertschätzung, die nicht ohne Spannung ist.Innere Einkehr, Ruhe finden und mit sich und der Welt ins Reine kommen – davon lassen sich Pilger leiten.

Ausnahmezustand
Der Ausnahmezustand ist der Normalzustand heißt es in Kevelaer.  Immer von Anfang Mai bis Anfang November ist Pilgersaison. Jahr für Jahr fluten dann zwischen 800.000 und eine Million Menschen in das Städtchen. Der Kevelaerer, so sagt man, kennt deshalb drei Jahreszeiten: Vor der Wallfahrt (bis 1. Mai), während der Wallfahrt (1. Mai bis 1. November) und nach der Wallfahrt.
Die Wallfahrer, die aus vielen Ländern der Erde nach Kevelaer kommen, sind für die Stadt wirtschaftlich ein Segen, aber sie binden auch viele Kräfte. Doch die Menschen in der Stadt wissen um ihre Chance, die ihnen Wallfahrt und darüber hinaus der Tourismus bieten. Infos auch unter www.kevelaer.de

 

150 Jahre Marienbasilika Die Marien-Basilika in Kevelaer neben dem eigentlichen Pilgerziel Gnadenkapelle ist geistliche Heimat und Ort, wo der Glaube gefeiert wird. Für das Highlight des Jahres sorgt die Marienbasilika. 150 Jahre sind seit der Kirchweihe vergangen. 2014 wird das Jubiläumsjahr unter dem Festmotto „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land.“

Autor: Patricia Lindeman

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