Deutschland das Sportland

D er niederländische Grenzbewohner hält sich, wie selbstverständlich, auch dann und wann in Deutschland auf. Zum Einkaufen, um auszugehen oder um Sport zu treiben. Mir, dem Sportliebhaber und Leichtathletik-Fan, ist dabei eine Sache besonders aufgefallen: in Deutschland besitzt nahezu jedes Dorf eine eigene Sportanlage mit Laufbahn. Sollte Sport in Deutschland womöglich eine viel größere Rolle spielen als in den Niederlanden?

2012 reiste ich als Mitglied des Leichtathletikvereins Ava’70 aus Aalten ins Trainingslager nach Ihlo, einem deutschen Städtchen. Ihlo empfing uns mit einer großen Sportanlage, bestehend aus Fußballfeldern, Tennisplätzen, einem Fitnessraum, einer großen Sporthalle und, natürlich, einer Kunststofflaufbahn. Das Städtchen hat vielleicht gerade mal 10.000 Einwohner. Ich staunte. Wem gehört das alles und warum besitzt hier nahezu jedes Dorf seine eigene Sportanlage?

Die Gemeinde

In den letzten Jahren war ich auf Trainingslagern in Meppen und Rheine und, jetzt im Mai, im winzigen Oberwesel, mit gerade mal 2.000 Einwohner. Auch dort waren die Sportstätten tadellos. „Die Laufbahnen gehören in der Regel der Gemeinde. Vereine und Schulen dürfen sie benutzen“, meint Peter Kuhn, Sportbeauftragter der Gemeinde Sankt Goar, zu der Oberwesel gehört. Auch bei anderen Trainingslagern stießen wir auf „Sportbeamte”. Vereine bezahlen der Gemeinde einen geringen Betrag und dürfen dann die Anlage nutzen. In Oberwesel bezahlt unser Verein für die Anlage und zugehöriges Gerät zum Beispiel nur 150 Euro pro Woche. „Sport ist Teil unserer Kultur”, meint ein lachender Christopf Persch, während er uns „seine“ Anlage zeigt. „Wir wollen immer die Besten sein!” Mir fiel auch auf, dass es in der Nähe von Sportanlagen oft eine Jugendherberge gibt. Dort kann man als Gruppe sehr preisgünstig übernachten und essen. Sehr gut für Sportler, denn ich kenne keinen, der „danach” keinen Hunger hat!

Rollenmodelle

Sport liegt in Deutschland nicht nur dem Gesundheitsminister am Herzen, was der Grund dafür ist, dass man einige Summen in Sport investiert. Die sportlichen Erfolge der Fußballnationalmannschaft und viele olympische Medaillen sprechen für sich. Aber auch der Amateursport spielt eine wichtige Rolle. Für Nachwuchstalente ist er das Sprungbrett zum Profisport und die Bevölkerung bewegt sich und hält sich fit. Sporthelden sind Vorbilder und werden gerne eingesetzt, um die Jugend zu ermuntern, Sport zu treiben und „das Beste” aus sich herauszuholen. Sport verbindet, davon ist man in Deutschland überzeugt. In den Niederlanden besitzt Sport einen weit geringeren Stellenwert und wird von Staatsseite daher viel weniger stimuliert.

Tekst: Erwin Wamelink
Foto: Tim te Brake

Autor: Teersa van Wezel

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