Die neuen Geusen

Für Investitionen unter einer halben Million verlassen Finanzinvestoren erst gar nicht das Haus. Bahnbrechende Unternehmer, die für Expansion und als Betriebskapital kleinere Geldbeträge benötigen, müssen ihren Appell dann an “Familie, Freunde, und … NARREN” richten! Diese und ähnliche Stimmen waren während der Fund-the-Future-“Finanzierungsstaffel” Ende 2013 zu hören. GrenzenLos war dabei: neugierig auf Hoch- und Tiefdruckgebiete im Investitionsklima gepaart mit (Zukunfts-)Aussichten für “neue” Unternehmer.

Man wollte Unternehmer mit Investoren und Beteiligungsfonds in Kontakt bringen. Die Information über Entwicklungen beim Fremdkapitalerwerb unter Aspekten wie finanzieller Grundstock in der Start- und Aufbauphase, Expansion oder internationaler Markt war das Ziel. Die Beteiligung war gut. Aber wer waren eigentlich die Teilnehmer? Plaudernd und netzwerkend traf man wenige Unternehmer. Und Investoren – sofern anwesend – blieben lieber inkognito. Bei Workshops ergriffen Fondsmanager das Wort, und der Unternehmer, der von seinen Problemen berichtete, stieß auf wenig Resonanz. Bei einer Diskussion über das “Phänomen Unternehmer” wurde klar: ein Unternehmer wurde als Technikfanatiker wahrgenommen, der zwar einen Plan, aber wenig Ahnung von seinen Kunden hatte und erst recht nichts von Marketing verstand. Einigkeit herrschte darin, dass sein “Respekt vor Geld” größer und er “coachbar” sein müsste. Investoren und ihre Fondsmanager reizten vor allem große “Angebote” in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), im Bereich technische “Ökosysteme”.  Dieser Kreis war nach kurzer Produkteinführungszeiten auf der Suche nach großem – gemeint ist schnellem – Gewinn. Grenzüberschreitend zu investieren und den Blick auf einmal ‘gen Osten – nach Deutschland – zu richten, schien völlig neu zu sein.eb131127 powered by twente090 (1)

In Amerika wird ein Unternehmer als solcher anerkannt, wenn er wenigstens ein Mal bankrott war und “unternehmen” am eigenen Leib erfahren hat.  Man lernt aus eigenen Fehlern am meisten.  Bei dieser Sichtweise ist womöglich eine andere Art von Investor gefragt. Nämlich der “Narr”, der an den Unternehmer glaubt, der ihm überzeugend seinen Plan präsentiert. Gefragt ist auch der “Narr”, der Geduld, Einfühlungsvermögen und Sinn für echte Unternehmerschaft mitbringt. “Narren” oder … die neuen “Geusen”? Menschen, die den Boden für neue Vorhaben bereiten und neue Wirtschaftsperspektiven für die Zukunft unserer Kinder schaffen. Menschen, die das Investieren als echtes Unternehmen betrachten, wo Neugierde, Durchsetzungsvermögen und Mut im Mittelpunkt stehen. Heutige Geldgeber sollten sich – allen logischen Forderungen nach Rendite zum Trotz – der gesellschaftlichen Bedeutung ihrer Tätigkeit mehr bewusst werden und ihre Rolle ernst nehmen. Haben sie nicht ihren Erfolg dieser Gesellschaft zu verdanken?

Fund the Future wird von “Powered by Twente” veranstaltet. Die Stiftung verfolgt das Ziel, eine dauerhafte “Brücke” zwischen Bildungseinrichtungen, innovativen Unternehmern und wichtigen Behörden zu bauen. www.poweredbytwente.nl.

Autor: Patricia Lindeman

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