Gefühl für Unternehmerschaft

 

Gijsbert Versteeg überschreitet Grenzen – buchstäblich. Die schönsten und ausgeklügeltsten Maschinen entstanden unter seiner Leitung, nach dem Motto: “Nichts ist unmöglich”. Er baute ein weltweit erfolgreiches Unternehmen auf, um es zuletzt eigenhändig wieder “abzubauen”. Den Traum seiner Kindheit realisierte er an der Grenze zu den Niederlanden.

“Nichts ist unmöglich”

Wer

Am 28. März 1928 in einem Dorf in Nord-Brabant geboren, begann Gijsbert Versteeg nach dem Fernstudium als Vorarbeiter in einer Maschinenfabrik im Schiffsbau. Beim nächsten Arbeitgeber stellte er eine Fabrik für Treppen und Leitern auf die Beine. Als ihn die Verkaufszahlen nach vier Jahren noch nicht überzeugten, begann er selbst am Markt zu agieren. Schon bald erhielt die Firma große Aufträge, u.a. im Verteidigungssektor. Im fünften Jahr gab es bereits dreißig Angestellte. Die Geschäfte liefen so gut, dass der Inhaber mit in die Firma einstieg. Ein Schiff verträgt jedoch keine zwei Kapitäne. Versteeg: “Ich wollte niemanden über mir haben, und so suchte und fand ich Wege, um eine Firma aufzubauen, die etwas völlig Neues machte.“

 

Was

GS: “Ideen für neue Maschinen entstanden am Tisch mit den Kunden. Sofort wurde gezeichnet und gebaut. Wir stellten alles her: spezielle Kräne, Feuerwehrfahrzeuge und sogar Bauteile der Neeltje Jans Sturmflutwehre (Red.: Bestandteil der Deltawerke). Wir entwickelten eine Methode, um Schiffe unter Wasser zusammenzuschweißen. Auch Küstenboote und Schiffe für die Seefahrt bauten wir. Wir machten, was andere liegenließen. Die ersten Aufträge gegen Direktkasse, dann kamen größere Aufträge. Weil man dafür mehr Geld braucht, tut man sich mit einer Bank zusammen… und verliert seine Unabhängigkeit. Nach dreißig Jahren hielten ich und die Firma dem Dauerdruck nicht mehr stand. Persönliche Differenzen in Geschäftsbeziehungen können viel kaputt machen. Es gab einen Rechtsstreit, den ich als Unternehmer nach sieben Jahren gewann. Die Bank musste für den entstandenen Schaden aufkommen.”

 

Kindheitstraum

GS: “Menschen sind neugierig und wissensdurstig. Mein Traum war und ist noch immer der Bau eines ‘Erlebnisvergnügungsparks’ für Alt und Jung. Mit vielen Attraktionen für Spaß und Freizeit, wo man Technik entdecken kann, drei Schwimmbäder übereinander erlebt. Antworten auf Fragen erhält, wie ist das Wasser und wie Bewegung entsteht. Alle Pläne waren schon fertig gezeichnet. Es gab Modelle und wir hätten mit dem Bau anfangen können – bis uns 2007 diese Lehman-Geschichte (Red.: Finanzkrise) alles verdarb. Auf einmal fand man das Risiko zu groß, Beteiligte stiegen aus… ohne Geld geht eben nichts. Wir sind jetzt wieder mit dem Neuanfang beschäftigt und bald ist Baubeginn!”

 

Unternehmergeist

GS: “Das Unternehmerdasein muss man lieben. Nicht nur von neun bis fünf, denn immer hat man neue Sorgen: falsche Lieferanten, schlechtes Material, Zeitmangel, immer neue Regeln und Gesetze. Will man etwas Neues beginnen, muss man sich gut vorbereiten, Frage, wo ist mein Markt und wo habe ich Chancen? vorhet beantworten. Das war früher genauso. Jäger schossen Bären. Aus den Häuten fertigte man Jacken. Wer konnte, handelte mit Bärenfellen. Es darf kein Überangebot geben. Am Beispiel der Hühnerindustrie sieht man, dass Eier billig bleiben, auch wenn mehr investiert wird. Ein Unternehmer muss unternehmen. Du seht etwas, findest eine Antwort, berechnet die Rate und stellt sicher Geld zu verdienen.”

 

Motto

GS: “Durch Zufall – wenn’s den gibt– bin ich ein gläubiger Mensch geworden. Einen besseren “Businessratgeber” als die Bibel gibt es nicht. Sie steckt voller Weisheiten, die man privat und geschäftlich nutzen kann. ‚Was du nicht weißt, kannst du dir aneignen‘. Oder: ‚Hilf dir selbst, aber respektiere deine Mitmenschen‘, steht in der Bibel.

 

Zukunft
GS: “Wie die Zukunft aussieht, weiß ich nicht. Aber man wird Dinge immer besser, billiger oder anders machen wollen.” Weil kein Nachfolger da ist, habe ich meine Firma schrittweise “abgebaut”. Jetzt gibt es sieben Einzelunternehmen, die alle gut laufen. Darauf bin ich stolz.”

Autor: Tassilo Vermeulen

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