In den Fußspuren der Kiepenkerle

V iele unserer heutigen Wanderrouten wurzeln in der Vergangenheit. Sie belegen, dass unsere Vorfahren sich auch ohne moderne Transportmittel nicht davon zurückhalten ließen, weit entfernte Regionen aufzusuchen. In der heutigen GrenzenLos-Ausgabe laden wir Sie ein, uns bei einer winterlichen Tour über den „Marskramerweg” zu begleiten. Er diente den früheren Kaufleuten als Hauptgeschäftsweg und ist auch unter dem Namen „Töddenroute” bekannt. Früher zogen Händler mit ihren „Kiepen“ quer durch das ganze Land. Kiepen, das sind die aus Holz und Korbgeflecht bestehenden Rückentragen, in denen Handelsware verstaut wurde. Schnell nannte man sie „Kiepenkerle” oder „Tödden”. Die Kiepenkerle, meist Männer, versorgten die Bevölkerung entlang der alten Handelsstädte mit Stoffen, Bürsten, Streichhölzern, Schnupftabak, Nippes, Sälbchen und vielem mehr. Auf der Suche nach Kunden und Verdiensten legten sie oft Hunderte von Kilometern zurück.

In Deutschland ist im Tecklenburger Land und im südlichen Emsland noch immer die Töddenland-Wanderroute zu finden. Sozusagen als „Verlängerungsstück“ durchquert der Marskramerweg die Niederlande. Schon damals blühte der Handel zwischen Deutschland und den Niederlanden. Die deutschen „Hollandgänger” zogen mit Stoffrollen auf dem Rücken los, um über diesen Handelsweg in den Niederlande ihre Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. Textilwarenhäuser wie C&A und Peek&Cloppenburg haben ihren Ursprung in diesem frühen, grenzüberschreitenden Handelsverkehr.

Bad Bentheim

Die „Töddenroute“ beginnt in der Grafschaft Bentheim, zu Zeiten des Heiligen Römischen Reiches auch als „Benthem“ bekannt. In der Stadt Bad Bentheim befindet sich die wohl schönste Hochburg Norddeutschlands: Burg Bentheim. Dieses beeindruckende Bauwerk aus Sandstein ist das Wahrzeichen der Stadt. Es taucht in vielen Sagen und Legenden auf und ist unbedingt sehenswert. Durch das Vorkommen heilkräftiger Salze und schwefelhaltigen Quellwassers ist Bad Bentheim ein anerkannter Kurort.

Gildehaus

Von Bad Bentheim aus führt die Route nach Gildehaus. Dieser Routenabschnitt lohnt sich! Die Ausläufer des Teutoburger Waldes formen hier echte Berge, der Wanderer wird von atemberaubenden Aussichten überrascht. Bei der Ostmühle in Gildehaus gibt es einen herrlichen Rastpunkt mit vielen Annehmlichkeiten. Im „Hochzeitswald” werden schon seit Generationen Bäume angepflanzt, die ewige Treue symbolisieren. Die Route führt weiter Richtung Losser und Oldenzaal.

Der Snoeyinksbach

Dicht bei Oldenzaal, in der Region Twente, fließt der Snoeyinksbach. Er entspringt auf Landgut Boerskotten an der Ostflanke des Stauwalls bei Oldenzaal. Der Bach mündet in die Dinkel. Dieser Bach und seine Seitenarme formen ein wertvolles Geflecht von Tieflandbächen. Das Gelände, die Bodenverhältnisse und der Wasserhaushalt in diesem Gebiet sind äußerst abwechslungsreich. Ein perfekter Platz für viele seltene Pflanzen und Tiere. In den tiefer gelegenen Regionen, die regelmäßig überschwemmt werden, entsteht Vegetation mit einem moorähnlichem Charakter. Der Snoeyinksbach ist ein geschütztes Naturdenkmal und gehört mit der Dinkel zum zusammenhängenden europäischen Netz von Schutzgebieten (Natura 2000).

Die Route

Der Routenabschnitt Marskramerpad zwischen Bad Bentheim und Bahnhof Oldenzaal ist circa 25 km lang. Es gibt eine Unmenge schöner Stellen, um sich auszuruhen. Und für einen Tagesausflug, einen kürzeren oder längeren Urlaub findet man unterwegs einiges an Hotels und Restaurants. Eingefleischte Wanderer können der Route aber noch mehr Herausforderungen abringen: über Deventer, Amersfoort und Oldenzaal ist quer durch das „Groene Hart“ der Niederlande die Stadt Leiden zu erreichen, ehe man in Scheveningen an der Nordseebrandung endet. Wer dort ankommt, hat sicher 360 km(!) abgelegt. Unterwegs sind herrliche Landschaften zu sehen mit Stauwällen, langgestreckten Ackerflächen, beeindruckenden Ur-Wäldern und lieblichen Flüsschen. Von den alten Mühlen, charakteristischen Gehöften und prunkvollen Landhäusern einmal ganz zu schweigen. Eine prächtige und vielseitige Route. Dieser alte Handelsweg ist auch im Winter unbedingt zu empfehlen.

Und wer sich mit glühenden Wangen und vor Kälte prickelnden Fingern nach dieser erfrischenden Wanderung einfach irgendwo hinplumpsen lässt, einen Teller Erbsensuppe oder einen dampfenden Glühwein vor sich hat … der kann sich etwas Schöneres kaum noch vorstellen! … mmh …

Als Fahrradroute ist die Strecke 53 km lang. Sie überquert die Grenze und folgt dem Fahrradknotennetzwerk zwischen Twente und der Grafschaft Bentheim (Bad Bentheim – KP 77 – 75 – 76 – 70 – 18- 72 – 72 – 67 – 74 – 66 – 64 – 63 – 73 – 60 – 61 – 62 – 58 – 78- 79 – 77- Bad Bentheim). - Die Route im Maßstab 1:50.000 finden Sie in der Falk-Karte Nr. 21 (Grafschaft Bentheim / Twente) die auf shop-grenzerlebnisse zu bestellen ist. Weitere Information und iPhone App: www.badbentheim.de; www.grensbelevenis.nl

Autor: Teersa van Wezel

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