Innovation hört niemals auf

J ahrelang war Jan Scholten die sprichwörtliche „Spinne im Netz“ und für grenzüberschreitende Innovation und die Vernetzung von Mittelstandsbetrieben zuständig. Als treibende Kraft hinter den Kulissen brachte er Unternehmer zusammen und sorgte dafür, dass sie sich an die Eigenarten des Partners gewöhnten. Das Ziel war eine fruchtbare Zusammenarbeit. GrenzenLos sprach mit einem Mann, dem Innovation im Blut liegt und der nun seine eigene Firma gegründet hat.

Liebe zur Grenzregion

Jan Scholten: „In der weiterführenden Schule wurde ich zu einem internationalen Schülerkongress ins deutsche Minden geschickt. Das weckte meine Liebe zur Dynamik im Grenzgebiet. Es fühlte sich anders an als in Urlaub zu fahren. Ich führte Gespräche mit Schülern verschiedenster Nationalitäten und lernte andere Kulturen kennen. Eine Grenze mit Grenzposten und Schranken fand ich schon damals Unsinn. Eine Grenze ist mehr eine mentale Barriere, die einen davon abhält, neue Dinge zu tun. Ich komme aus einem traditionellen Milieu, meine Eltern haben immer hart gearbeitet. Mein Vater hatte eine Firma mit Agrarprodukten und war sehr unternehmend, ein Vollbluthändler eben. Wir Kinder mussten immer mithelfen.“

Laufbahn/Karriere

Jan: „Erst studierte ich an der pädagogischen Akademie. Ich merkte aber schnell, dass Unterrichten für mich nicht das Richtige war. Es ist doch logisch, dass man als Jugendlicher manchmal eine „verkehrte“ Entscheidung trifft. Später wählte ich Betriebswissenschaft. Mein erster Job war Kontrolleur bei einem Kunststoffhersteller. Hier wurden beispielsweise Haushaltsmüllsäcke getestet, um das Materialverhalten zu untersuchen. Nach diesem und einem weiteren Job landete ich beim Institut für Mittelstandsbetriebe (IMK). Hier passte alles zusammen. Es ist gut, ab und zu die Stelle zu wechseln; so entdeckt man seinen eigenen Weg.“

Neue Perspektive

Jan: „Die Arbeit beim IMK war abwechslungsreich und hat mir Spaß gemacht. Ich war in jeder Abteilung: von der Kreditberatung für Gemeinden und Banken bis hin zur Hilfe bei Unternehmensauflösungen. Ich war lange im Osten der Niederlande habe aber auch in Flevoland gearbeitet. Dort habe ich raumplanerische Gutachten erstellt, unter anderem für Einkaufszentren und Firmenanlagen. Ich durfte experimentieren: baulich, oder was Ladenkonzeptionen oder neue Kombinationen angeht. In kurzer Zeit kam vieles in Bewegung. Das geht nur, wenn man offen für Neues ist. 1998 habe ich beim Innovationszentrum Synten angefangen – wieder für den Mittelstand. Diesmal aber mit einem anderen Fokus: Innovation muss sein! Innovation erfordert Mut und Flexibilität. Man darf keine Angst vor dem Neuen haben oder davor, Fehler zu machen. Wer etwas verändern möchte, muss immer weiter machen und darf nicht aufhören. Ich mag Arbeit, die mich fordert und die nicht immer gleich ist. In meiner Arbeit will ich vorankommen und Spaß haben, denn genau das ist mein Motto.“

Grenzüberschreitend

Jan: „Bei Syntens habe ich die ersten grenzüberschreitenden Projekte entwickelt und begleitet. Ich habe Menschen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen zusammengebracht. Viele Menschen nehmen die Möglichkeiten beim Grenznachbarn oft gar nicht wahr. Ein Unternehmen in Enschede hat für seine Zwecke beispielsweise Vision-Technology-Kenntnisse der Universität Münster eingesetzt und kann jetzt Sensoren bauen, die Bewegungen in Töne übersetzen – für die Spielgeräte der Zukunft. Meine Aufgabe war es, Menschen aus ihrer Erstarrung zu lösen. Sie zu motivieren, ihnen aber auch mal einen Arm um die Schulter zu legen, wenn es gerade mal nicht so gut lief. Dass ich mit Menschen arbeitete, gefiel mir besonders.“

Deutsche und Niederländer

Jan: „ Veränderungen bringen oft große Investitionen mit sich, in Zeit und Geld. Will man ein Produkt auf den Markt bringen, dann gehört das einfach dazu. Weil ihr Land so groß ist und einige angrenzende Länder Deutsch sprechen, besitzen die Deutschen einen enormen internen Absatzmarkt. Deutsche wollen immer alles ganz genau wissen. Niederländer mussten auf der Suche nach Absatzmärkten schon immer um die halbe Welt reisen. Sie sind auch heute noch eher eine Art Händler. Auf einen Cent mehr oder weniger kommt es ihnen nicht an. Den Unterschied sieht man im Regierungssystem der beiden Länder – es gibt aber auch kulturelle Unterschiede. Die sollte man nicht verleugnen oder angreifen. Ich sage immer: „lernt damit umzugehen“ und vor allem „spielt eure Rolle!“ Nutzt die Stärken einer deutsch-niederländischen Zusammenarbeit und eine Welt wird sich für euch auftun!“

Text: Cora Blom
Foto: Eric Brinkhorst

Autor: Teersa van Wezel

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