Ist die Sprache vom Nachbarland sexy?

Interessieren sich Jugendliche für die Sprache der Grenznachbarn? GrenzenLos drückt für Sie noch einmal die Schulbank und befragte Schülerinnen und Schüler des Christelijk College Schaersv aus Aalten und des Mariengymnasiums in Bocholt. Sie beantworteten folgende Frage: Was macht die Sprache vom Nachbarland für dich interessant?

“Ich finde Deutsch eine einfache Sprache und bin da sehr gut drin”, erzählt Carolien Nijman und meint es ernst. Sie und ihre Mitschülerin Romie Wisselink haben sich aufgerafft und sind zur Deutschstunde gekommen. Die anderen Mitschüler der VWO 5 haben nach einer Chemiearbeit beschlossen, Deutsch zu schwänzen. Der Lehrer Helge Willkowei beschließt dann, die Deutschstunde ausfallen zu lassen. “Ich arbeite in einer Buchhandlung in Winterswijk. Samstags komme ich mir dort vor wie in ‘Klein-Deutschland’, darum ist es praktisch, Deutsch zu sprechen”, meint die 17jährige Romie Wisselink. “Ich habe Mitschüler, die nur ‘nein’ sagen können.“ Romie spricht regelmäßig Deutsch. “Letztens waren wir zum Schüleraustausch irgendwo mitten in Deutschland. Viele meiner Mitschüler sprachen die Sprache gar nicht. Dann ist es schon schön, wenn man Deutsch kann.”

Nicht mein Ding

Nachmittags hat Helge Willkowei, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, mehr Glück. Im Gegensatz zur VWO 5 sind die Schülerinnen und Schüler der VWO 3B brav erschienen. Sie müssen sich an ihren Gast von GrenzenLos zunächst noch gewöhnen, aber bald ist es “normal.” Für diese “Drittklässler” ist Deutsch ein Pflichtfach. Nächstes Jahr wird sich das allerdings ändern. Die Schüler können sich dann zwischen Deutsch und/oder Französisch entscheiden. Auf die Frage, wer sich für Deutsch entscheiden wird, zeigen fast alle auf. Natürlich gibt es Ausnahmen. “Deutsch ist einfach nicht mein Ding”, sagt ein Junge und zieht eine Grimasse. Dennoch bevorzugen die meisten Jungs, die sich auf die linke Seite des Klassenzimmers gestellt haben, Deutsch. “Französisch ist viel zu schwer!“, ruft ein Junge und grinst dabei. Einer der Schüler sieht in die Zukunft. Und meint: “Sprache kann helfen, in Deutschland einen Job zu finden. Und man kann sich mit deutschen Altersgenossen leichter verständigen.”

Kulturunterschied

Im Mariengymnasium wähnt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Das alte Schulgebäude mitten in Bocholt ist beeindruckend. Christine Kestermann gibt Niederländisch und wird gleich 18 Schüler der neunten Klasse unterrichten. “Goedemiddag allemaal”, sagt Frau Kestermann mit lauter Stimme. “Goedemiddag mevrouw Kestermann”, antwortet die Klasse im Chor. Der Unterschied zwischen den Schülerinnen und Schülern aus Bocholt und Aalten fällt sofort auf. Wenn die Lehrerin fragt, wer vorlesen möchte, fliegen die Hände nur so in die Luft. Beim Unterricht in den Niederlanden verkroch sich die Klasse bei derselben Frage nahezu unter den Tisch. Die Übungen, die gemacht werden müssen, sind vergleichbar. Sowohl die deutschen wie die niederländischen Schülerinnen und Schüler müssen anhand eines Audio- oder Textfragments einen Text ergänzen. Nachdem sie das Fragment gelesen haben, wird der Text noch einmal gemeinsam gelesen, um zu kontrollieren, ob sie richtig geantwortet haben.

Sexy

Während die niederländischen Jugendlichen sich noch entscheiden müssen, haben die deutschen Gymnasiasten bereits das Fach Niederländisch gewählt. “Ich finde es praktisch, wenn man eine Fremdsprache kann”, sagt eines der Mädchen. “Es ist schön, Niederländisch sprechen zu können, wenn man dort Urlaub macht”, meint eine andere Schülerin, die ihre Ferien letztens in Giethoorn verbracht hat. Auch andere sehen die Vorteile von Niederländisch. “Ich habe Familie in den Niederlanden”, gibt ein Junge an. “Meine Tante wohnt auch in den Niederlanden!”, ruft ein anderer lebhaft. Als sie gefragt werden, ob Niederländisch eine schöne Sprache sei, antworten sie nahezu einstimmig: “Nee!”, gefolgt von allgemeinem Gelächter.

Deutsche und niederländische Schülerinnen und Schüler würden die Sprache des Nachbarlandes nicht als unbedingt als “sexy” bezeichnen. Dennoch gibt es unter ihnen eine Menge, die sich für die Sprache der “Nachbarn” interessiert und darin Vorteile für die Zukunft sieht.

Autor: Teersa van Wezel

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