Kaiserin Sisi enthüllt die Wirklichkeit

Kaiserin Sisi kannte ich bis heute nur von begeisterten Erzählungen meiner Zwillingsfreundinnen: sie hatten alle Sissi-Filme schon mehrfach gesehen und schwärmten davon. Ob man das von mir nun auch erwartete, wo ich doch für die GrenzenLos-Redaktion die Ausstellung über Sisis Leben besuchen und darüber berichten sollte? Nein, beschloss ich. Wenn die Ausstellung “SISI, Märchen & Wirklichkeit” hielt, was sie versprach, würde ich Kaiserin Sisi ganz unvoreingenommen kennenlernen.

In den Sälen mit Gemälden, Fotos und Gegenständen aus Sisis Leben ist der Andrang groß. Die Menschen werden an die Wand gedrückt, lesen aber alle Schilder sehr genau. Bei einer Tafel mit der Information, dass Sisi undanks ihrer Rolle als Kaiserin ohne Ankündigung die Armen und Kranken besuchte, statt dem Protokoll zu folgen, wie von ihr erwartet wurde, höre ich eine Frau hinter mir leise sagen: “Ja, genau so war sie, sie machte immer was sie wollte.” Jeder kannte Sisi. “Ihre Ehe war nicht so gut”, höre ich eine andere Frau sagen.

Wenn ich sehe, wie die Besucher auf Gegenstände und Gemälde reagieren, entsteht bei mir der Eindruck, dass viele von ihnen, ebenso wie meine Zwillingsfreundinnen, Kaiserin Sisi und ihre Lebensgeschichte bereits kennen. Das ist die typisch weibliche Vorstellungskraft, denke ich bei mir: mit 15 verliebt sich der Kaiser von Österreich in dich, heiratet dich Hals über Kopf und steckt dich in einen Palast mit eigenem Hofstaat. Dort verbringst du deine Zeit mit Reiten, Gymnastik oder Gedichteschreiben und kannst immer herrlich essen ohne jemals selbst kochen zu müssen. Mit deinem Mann und den Kindern, die noch kommen werden, lebst du ein langes, glückliches Leben. Wie romantisch.

Aber die Ausstellung zeigt, dass die Realität nur halb so romantisch war. Sisi tat sich schwer mit den strengen Konventionen am Wiener Hof und versuchte dem Hofleben zu entgehen. Die Ausstellung zeigt das wahre Leben von Kaiserin Sisi und beleuchtet auch seine tragischen Momente: Dramen wie den Verlust ihrer erstgeborenen Tochter Sophie im Alter von 2 Jahren und den Selbstmord ihres Sohnes Rudolf, dem Kronprinzen, wenige Jahre später. Ergänzt um prunkvolle Gegenstände, sowie fesselnde Fotos und Gemälde erfahren Sie Details aus Sisis Leben, die sie anders darstellen als die Kaiserin, die lange und glücklich lebte. Mit jedem Saal, den ich durchquere, lerne ich sie ein wenig besser kennen, geht sie mir mehr unter die Haut. Mich ergreift aber nicht das romantische Sissi-Märchen – Sisis wahres Leben war nämlich alles andere märchenhaft und bestand vielmehr aus Luxus und Dramatik. Es war ein Leben, das die Kaiserin gewissermaßen überfiel.

Ja, genau so war sie, sie machte immer was sie wollte.

Durch die Ausstellung begann mich Sisi zu faszinieren. Wie sie, als sie mit 15 Jahren plötzlich heiraten musste, das ihr übergestülpte Leben auszuhalten versuchte, eigene Mechanismen entwickelte und Rückzugsorte schaffte. Darüber werde ich jetzt aber nicht mehr verraten. Denn dann wäre ich eine der vielen, die glauben machen, Kaiserin Sisi zu kennen. Es ist aber viel schöner, Sisi – wie ich – alleine kennenzulernen und die hinter dem Märchen verborgene Wirklichkeit selbst zu entdecken. Durchschlendern Sie dafür die vielen Säle mit prächtigen Skulpturen und eindrucksvollen luxuriösen Gegenständen im Palais Het Loo. Planen Sie dfür ruhig einen ganzen Tag ein: wenn man die Ausstellung auch in 2 Stunden gesehen hat, so ist es danach einfach herrlich, die Wirklichkeit noch eine Weile hinter sich zu lassen, durch die Gärten von Palais het Loo zu schlendern, die prunkvollen Räume des Palastes zu bewundern und sich selbst wie im Märchen zu fühlen.

Fünf Sterne!

Bild: M. Mulder

Autor: Teersa van Wezel

Teilen Sie diesen Post
468 ad

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>