Kunst verlegt Grenzen

I m Grenzgebiet wohnen viele Niederländer in Deutschland. Umgekehrt ist das seltener der Fall. Heute lernen Sie Andreas Hetfeld (50) kennen. Er ist Künstler, kommt aus Süddeutschland und wohnt seit einigen Jahren in Lent bei Nijmegen. Dies ist die Geschichte eines vielseitigen Mannes, der die Kunst zu leben mehr als beherrscht.

Hintergrund

Andreas Hetfeld: „Ich bin in Reutlingengeboren, südlich von Stuttgart. Als Kind spielte ich viel in der Natur, baute Lager und wühlte in der Erde. Auch Technik faszinierte mich. Ich war im internationalen Leistungssport als Speerwerfer aktiv. Es ist viel Selbstdisziplin nötig, um über seine Grenzen zu gehen. Künstler zu sein bedeutet auch, viel Disziplin zu haben und nicht aufzugeben. Genau das will ich mit meiner Arbeit erreichen: untersuchen und über meine Grenzen gehen. Nach meiner Mechanikerausbildung ging ich zu Mercedes Benz. Ich führte im Entwicklungslabor Keramikuntersuchungen durch. 1989 kam ich nach Nijmegen, um Kunsttherapie zu studieren. In Deutschland war mir dieser Studiengang zu anthroposophisch und zu stark auf Kunst ausgerichtet. Zufällig hörte ich von einer Variante in Nijmegen, bei dem mittels bildender Kunst und therapeutischer Arbeit die Praxis im Mittelpunkt stand. Das sprach mich sofort an.”

Kunst und ihr Wert

AH: „Mit Kunst möchte ich Menschen persönliche und gesellschaftliche Themen nahebringen. Zum Denken und Fühlen anregen, Mensch und Natur verbinden, etwas mitgeben über die Schönheit der Welt, über den Tod – und damit über das Leben und über Zusammengehörigkeit. Aber Kunst kann auch Trost spenden und tief emotional berühren. Kunst hat keinen Nutzwert, ist quasi „nutzlos” – und darum wichtig! Heute wird alles an seinem materiellen Wert, an seiner Effizienz gemessen. Immaterielle Werte werden stark unterschätzt. Kunst hat großen Einfluss auf unsere Gesellschaft. Ein gutes Beispiel ist mein Projekt „NEST” in Antwerpen. In dieser Stadt leben mehr als hundert Kulturen. Die Gemeinde wollte etwas haben, das den sozialen Zusammenhalt festigt. Mehr als tausend Menschen haben mir beim Bau eines gigantischen Nests geholfen.“

Leben von der Kunst

AH: „Als Künstler kann ich genug verdienen, solange ich genügend Aufträge habe. Ich betreibe eine Art von Akquise, bin gewissermaßen „kommerziell”. Ich versuche aber, dies nicht in den Vordergrund treten zu lassen. Das kann man lernen, aber es ist eine Herausforderung. Im Endeffekt geht es darum, über den Kontakt mit Menschen Aufträge zu erhalten. Das Geld, das ich verdiene, ist ein Zeichen der Anerkennung. Damit kann ich weiterarbeiten. In meine Projekte beziehe ich oft Außenstehende ein, wie bei Schloss Groeneveld in Baarn (NL). Teil dieses Projekts war es, Jugendliche auf andere Weise mit Natur in Kontakt zu bringen. Ich machte den Entwurf und begleitete die Umsetzung. Natürlich hoffe ich, auch meine freien Arbeiten zu verkaufen. Ausgangspunkt ist für mich, Dinge zu machen, die ich selber schön und spannend finde. Bei „freier Kunst” ist häufig die Gefahr, dass man hängenbleibt und sich nur noch wiederholt. Vor allem, wenn man mit einer Sache Erfolg hat. Neue Wege zu gehen bedeutet dann ein Risiko zu nehmen. Ich schöpfe aus unzähligen Materialien wie Bronze, Erde, Holz und Kunststoff. Ausschlaggebend ist, was ein Bild oder Projekt „braucht”, auch was Größe, Farbe, Wetter- und Vandalismusbeständigkeit angeht. Hier gibt es mitunter einiges auszuklamüsern. Ich profitiere von meiner Mechanikerausbildung und von Gesprächen mit Kollegen, Handwerkern und Wissenschaftlern. Ein guter Künstler beherrscht nicht selten auch ein Handwerk.“

Grenzen

AH: „Deutsche und Niederländer unterscheiden sich nicht so sehr voneinander. Die Gemeinsamkeiten überwiegen! Man sieht immer mehr Menschen beim Grenznachbarn arbeiten. Niederländische Physiotherapeuten sind in Deutschland beispielsweise sehr gefragt. In der Kunstwelt sind Grenzen, die Länder und Menschen voneinander trennen, weniger statisch. Man nimmt teil an Projekten auf der ganzen Welt, arbeitet zusammen oder Seite an Seite, isst miteinander. Mit meiner Kunst probiere ich, Grenzen im Denken und Tun einzureißen. Die Menschen sollen innehalten und reflektieren was sie tun. Ich weiß nicht, ob ich Dinge verändern kann. Aber ich bin ein Mensch mit einer Botschaft. Ich arbeite nicht aus

Autor: Teersa van Wezel

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