Mary Pass: Der Weg nach Santiago

Der 12. September 2012 war der Tag, an dem Mary Pass wegging. Ziel: Santiago de Compostella. Sie ging auf eigene Faust, wie ein echter Jacobs-Pilger. Mit GrenzenLos spricht sie über ihre Motivation, die Erfahrungen und dem manchmal nötigen Eigensinn im Leben. Eine Frau unserer Zeit, die schon immer in Bewegung war …

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Für mich sind Grenzen nicht wichtig, eher unbequem. Ich komme aus einer großen Groenloer Bauernfamilie und als Mädchen musste ich positiv-eigensinnig sein, um etwas durchzusetzen. Ich war in meinem Dorf eines der ersten Mädchen, das auf ein Gymnasium ging. Nach der Sekundarstufe war ich zu jung für ein Studium, eine Social Academy. Ich wollte fort, nach Norwegen als Au-pair. Das erlaubten meine Eltern nicht. Als Mädchen sollte ich lieber Hauswirtschaft erlernen. Auf dem Gymnasium liebte ich die Fächer Zeichnen und Deutsch. Meine Deutschlehrerin war ein ganz besonderer Mensch. Also ging ich nach Deutschland. Dort lernte ich meinen Mann kennen und mein Leben nahm einen anderen Verlauf. “
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Was

Nach seinem Tod war sie über Jahre die treibende Kraft im Familienhotel in Oeding, sorgte für das erfolgreiche Fortbestehen. „Ich wollte wissen, wie die große Freiheit ist. Ich habe immer für alles gesorgt, viele Herausforderungen im Leben gemeistert. Habe sie schrittweise an meinen Sohn übergeben. Er macht es gut. ‘Wenn Sie Ihre Aufgaben in Ihrem Leben vollendet haben, können Sie eine Pilgerreise machen’, sagt ein japanisches Sprichwort. Ich konnte sorgenfrei weggehen und erlebte Einzigartiges. Kunst, Gemälde, Gebäude, Kirchen. Sie finden Ruhe beim Anzünden einer Kerze, können darüber nachdenken, wie Sie Ihr Leben gestalten oder wie Sie sich für Neues und schöne Dinge öffnen. Ich denke, wir investieren zu viel in die falschen Dinge.“

Wie

Als ich von zu Hause wegging, überschritt ich eine Schwelle. Sie sagen ‘Auf Wiedersehen’ und sind ganz auf sich allein gestellt. Ich ging von Oeding aus entlang der Grenzen zu den Niederlanden, nach Belgien, Luxemburg, Frankreich und an die spanische Nordküste. Ich bin in Lourdes gewesen. Habe in Fünf-Sterne-Hotels und Klöstern geschlafen. Habe einfach auf meiner Reise gelebt. Man lernt, wie wenig man braucht. Wir streben nach materiellem Reichtum, den wir jedoch nicht benötigen. Der Weg nach Santiago lehrt uns das. ”

Der Weg

Auf dem Weg treffen Sie andere Pilger. Sie erkennen sie an der Muschel, aus der Sie Wasser trinken können. Ich lief mit Millionären und Bettlern. Aber man wird nicht beurteilt. Überall sieht man ein Lächeln und bekommt Speis und Trank. Überall trifft man auf Menschen mit gleicher Gesinnung, sozusagen auf Augenhöhe. Man kann sich einer Gruppe anschließen. Ich wollte allein gehen. Sie müssen lernen, wegzulaufen, eine Art Egoismus. Im Leben ist man ein Puzzlestück in der Familie, für andere. Auf dem Weg lernt man loszulassen, sich selbst kennen und die Freiheit, selbst zu entscheiden. Es ist wie ein Märchen: Jeder geht seinen eigenen Weg nach Santiago. Natürlich bedeutet es auch Verzicht! Ich hatte eine Verletzung am Zeh. Man geht weiter, auch wenn man an seine persönlichen Grenzen stößt. Manche Leute bezeichnen uns als reich. Wir haben eine Menge Ziegelsteine, ja. Aber ich fühlte mich reich, weil ich mich gesund auf den Weg gemacht habe. Auch junge Menschen gehen manchmal auf Wanderschaft, aber aus anderen Gründen. Sie sehen sich heute großem Erwartungsdruck ausgesetzt. So viele Stressfaktoren in den Büros. Die gesamte Bürokratie … Zu wenige Menschen machen die eigentliche Arbeit. Das ist die wirkliche Armut!“

Motto

“Lernen Sie sich selbst kennen und finden Sie die Ruhe, um zukünftige Ziele zu erreichen und Herausforderungen zu meistern. Nehmen Sie sich Zeit für die schönen Dinge. So bringen Sie Harmonie in Ihr Leben.”

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Autor: Teersa van Wezel

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