Sommer im Glas

Ganz schön aufgeweckt
Weck-Gläser erleben in Deutschland eine Renaissance. Sie hätten kaum deutsche Küchen erobert, wäre da nicht ein aufgeweckter junger Mann aus Emmerich gewesen.

WeckpotMais+pad Symbol für Sorgfalt

Weck-Gläser sind Multitalente. Alles, was sich einkochen lässt, gehört ins Glas. Obst, Gemüse, Fleisch, Wurstwaren oder leckere Chutneys lassen sich einfach und bequem „einwecken“. Die Freude an Selbsthergestelltem ist groß, und das Angebot an unterschiedlichsten Gläserformen macht die Konservierungsmethode so populär. Gleichgesinnte, die mit hohem Qualitätsanspruch kleine Manufakturen gegründet haben, arbeiten ausschließlich mit Weck-Gläsern, dem Symbol für Sorgfalt, Verlässlichkeit und Haltbarkeit. Kurzum: Einwecken macht Spaß und man weiß, was drin ist. Der Sommer wird im Weck-Glas haltbar gemacht, Desserts in schlanken Weck-Gläsern serviert, Kuchen im Weck-Glas gebacken. Auch herzhafte Leberwurst kommt aus dem Weck-Glas.

Kaufmann Georg van Eyck aus Emmerich

Das Weck-Glas ist eng mit dem Niederrhein verbunden. Die Rede ist vom Kaufmann Georg van Eyck, geboren 1869 in Emmerich. Vater Johann führte ein Porzellan- und Töpferwarengeschäft. Der junge Georg gab sich eher umtriebig, die Schule verließ er vor dem Abitur. Die Weck-Gläser, die als Markenzeichen eine Erdbeere tragen, hatten es ihm angetan. Schon innerhalb von kurzer Zeit gab es zwischen Emmerich und Wesel kaum noch einen Haushalt, in den die Gläser samt Gummiringen nicht Einzug gehalten hatten. Johann Weck wurde auf van Eyck aufmerksam.

Weck hatte das Patent auf erhitzbare Gläser vor Jahren gekauft. Aber erst mit van Eyck schuf Weck eine Weltmarke. Sie gründeten am 1. Januar 1900 im südbadischen Wehr-Öflingen die Firma „J. Weck und Compagnie”. Im neuen Sterilisierungsverfahren sah Weck eine Möglichkeit, Obst und Gemüse auch im Winter genießen zu können.

Der Handelsbetrieb ließ die am Rand geschliffenen Gläser und Deckel anfertigen, die nötigen Einkochtöpfe und Thermometer wurden dazugekauft. Die legendären Weck-Gläser selbst werden bis heute in Bonn-Duisdorf hergestellt. Pro Jahr entstehen dort über 15 Millionen Haushaltskonserven-Gläser.

Gnu im Glas

Die Firma Weck hat seit über 110 Jahren in Ölfingen, nahe der Schweizer Grenze, ihren Sitz. Johann Weck blieb jedoch nur bis 1902 im Unternehmen. Den Umgang mit dem Weck-Glas brachte der gebürtige Emmericher Georg van Eyck als Verkaufstalent weiterhin auf anschauliche Weise unter das Volk und in die Haushalte. Er organisierte Schulungen, bei denen er die Einkochmethode präsentierte. Hinzu kam die Zeitschrift „Die Frischhaltung“, die sogar in den Kolonien des Deutschen Kaiserreiches gelesen wurde. Den Auswanderern in Deutsch-Südwestafrika erläutert sie 1910, dass sich Giraffe, Büffel, Kuhantilope oder Gnu genauso einfach einkochen lassen wie europäisches Rindfleisch. Der Ratgeber heißt heute „Ratgeber Frau und Familie“ und wird in Offenburg in einer monatlichen Auflage von 250 000 Exemplaren gedruckt. Neu ist das „Weck Landjournal“ mit spannenden Rezepten. In Emmerich erinnert heute eine Straße an Georg van Eck.

Das Prinzip

Die Hitzekonservierung in Gläsern ist eine von vielen Methoden, Lebensmittel haltbar zu machen. Das Prinzip: Die mit frischem Obst oder Gemüse gefüllten, mit Ringgummi und Federklammer verschlossenen Gläser werden in einem Topf gestapelt. Im Wasserbad wird das Einkochgut erhitzt. Durch den Gummiring entweicht die Luft aus den Gläsern und nach dem Abkühlen bleibt im Unterdruck der sterilisierte Inhalt zurück.

43-Firma WECK 1901-3 Rahmen

Autor: Patricia Lindeman

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