Weltbürger in Rees

Maguette (Magy) Diallo wohnt mit ihrem Mann Klaus und Tochter Elizabeth in Rees am Niederrhein. Ursprünglich kommt sie aus dem Senegal, ehe sie hierher kam wohnte sie in Spanien und in den Niederlanden. Magy spricht fließend Französisch, Englisch und Niederländisch, inzwischen spricht sie auch ein wenig Deutsch. Eine vielseitige, kreative Frau, die schon viel von der Welt gesehen hat. Bei Kaffee und Kuchen sprachen wir über ihr Leben – ein Leben mit und ohne Grenzen.

Wer “Dakar ist mein Geburtsort. Die Spannung und Lebendigkeit der Paris-Dakar-Rallaye war immer und überall spürbar. Ich war gelernte Krankenschwester und hatte einen guten Job. Aber ich war jung und auf der Suche nach Abenteuer. In meiner freien Zeit spielte ich in einer Djembégruppe (swingende, aufpeitschende Musik, die mit speziellen afrikanischen Trommeln gemacht wird). Wir wurden immer professioneller und hatten mit unserer Musik viel Erfolg. Wir erhielten Einladungen um in den Niederlanden zu spielen. Das war im Jahr 2000. Ich ging mit nach Europa. Wir hatten eine fantastische Zeit, erst in den Niederlanden und später in Spanien.

Was “Ich liebe es zu kochen, das habe ich oft für die Gruppe gemacht. Man hat mich dann irgendwann eingestellt um Teilnehmer an Djembéworkshos mit senegalesischen Gerichten zu überraschen. Das wurde ein Riesenerfolg. Über Schiermonnikoog kam ich dann nach Amsterdam. Dort habe ich zusammen mit einer Freundin eine kleine Cateringfirma gegründet. Die Firma läuft noch immer gut und ich gehe regelmäßig in die Niederlande zum Arbeiten. Aber ich würde in Rees oder in der Umgebung von Rees auch gerne eine kleine Firma gründen. Irgendwas mit afrikanischem Catering, Folklore oder Hairstyling. Und auch Djembéworkshops organisieren; das eignet sich gut für Teambuilding und Betriebsausflüge, aber auch für besondere Tagen mit Freunden und als Musikunterricht an Schulen.

Warum “Wir haben uns bewusst für Rees entschieden. Zum einen weil Klaus wieder zurück in seine Heimat wollte und Elizabeth so Deutsch sprechen lernen konnte. Zum anderen weil wir noch Geschäftliches in den Niederlanden zu erledigen haben und Rees nahe der Grenze und in der Nähe der A3 liegt, man aber auch zum Beispiel Nijmegen gut erreicht. Natürlich habe ich erst den Einbürgerungstest abgelegt und den B1-Niveautest für Deutsch als Fremdsprache. Aber die Sprache lernst du vor allem, indem du sie viel sprichst. Manchmal ist es schwierig um echt Kontakte anzuknüpfen, weil die Menschen hier nicht so daran gewöhnt sind mit Afrikanern zusammen zu leben und sich auch nicht realisieren wie es ist, als Anfänger deutsch zu sprechen und zu verstehen. Glücklicherweise geht das Sprechen dank der Schule und Elizabeths Freundinnen langsam besser, aber auch durch die Menschen, die ich vom Djembé und vom Afro-Hairstyling her kenne.”_DSC4134 B

Grenzen “Grenzen sind manchmal gut, aber sie können dich auch ausgrenzen. Das Leben ist so gesehen ein enges Miteinander. Die vertraute Umgebung verlassen ist etwas, das nur wenige Menschen tun. Die meisten verlassen ihre Dorf- oder Stadtgrenzen nie. Alles ist dann Mama & Papa und Familie. Aber so stimmt das natürlich nicht. Alles vermischt sich! Ich bin selber froh und stolz darauf, dass ich mein Geburtsland verlassen habe. Ich bin vielen Menschen begegnet, habe viel gesehen und mehrere Sprachen gelernt. Ich habe viel Lebenserfahrung gesammelt, habe mich in mehreren Kulturen über Wasser gehalten und kann mit Menschen überall auf der Welt Beziehungen aufbauen. Kurzum, es hat mir viel gebracht, ich habe viel gelernt. Ich bin selbständig geworden und kann mich durchsetzen. Ich sehe das so: Leben heißt lernen.” “Die gegenseitigen Grenzen zu respektieren ist schon wichtig. Das habe ich von meiner Mutter mitbekommen: den anderen respektieren, egal wie er aussieht. Sie sagte immer: “Wir alle haben rotes Blut.” Das gebe ich auch meiner Tochter mit auf den Weg. Natürlich vermisse ich meine Familie und Afrika, darum bin ich dort auch wenigstens einmal pro Jahr auf Besuch. Ansonsten haben wir miteinander viel Kontakt über Internet und Skype.

Gesundheit “In Afrika und Spanien haben die Menschen noch Zeit, in Deutschland und den Niederlanden nicht. Das merke ich immer dann, wenn ich mit meinem Anfängerdeutsch versuche mit Menschen in Kontakt zu kommen. Für mich ist eine natürliche Ernährung ohne Chemie wichtig, ebenso wie die Energie, die uns die Sonne schenkt. Und natürlich Musik und Tanz. Djembé ist so voller Rhytmus, Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Das ist gut für deine Seele, für dein ganzes “Wohlbefinden”.

Autor: Patricia Lindeman

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